Elektromobilität: Ladeinfrastruktur sicher planen und effizient betreiben
Die Elektromobilität hat sich in den vergangenen Jahren von einer visionären Zukunftstechnologie zu einem zentralen Baustein moderner Verkehrssysteme entwickelt. Im Mittelpunkt steht der elektrische Antrieb, der durch hohe Energieeffizienz, präzise Regelbarkeit und geringe lokale Emissionen überzeugt. Fortschritte in der Batterietechnologie, insbesondere bei Energiedichte, Ladeleistung und Lebensdauer, ermöglichen heute Reichweiten und Ladezeiten, die den Anforderungen sowohl privater als auch gewerblicher Anwendungen gerecht werden.
Parallel dazu wächst die Bedeutung einer intelligent vernetzten Ladeinfrastruktur. Leistungsfähige AC‑ und DC‑Ladesysteme, Lastmanagementlösungen sowie bidirektionale Energieflüsse (Vehicle‑to‑Grid/Vehicle‑to‑Home) schaffen neue Möglichkeiten für Energieeffizienz und Netzstabilität.
Unsere Expertise umfasst den gesamten Lebenszyklus moderner Ladeinfrastruktur, von der ersten Idee bis zum sicheren Betrieb. Wir begleiten Sie mit fundiertem Praxiswissen, Kenntnis aktueller Normen und Regelwerke sowie klarem Fokus auf die elektrische Sicherheit.
MEBEDO unterstützt Sie individuell bei allen Themen rund um die Elektromobilität.

Unsere Leistungen im Bereich Elektromobilität
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Technische Beratung & Planung
Wir unterstützen Sie dabei, Ihre Ladeinfrastruktur von Grund auf normgerecht zu planen und begleiten Sie fachkundig während der gesamten Errichtung.
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Baubegleitung & Abnahme
Unsere Experten kontrollieren die Installationsphase vor Ort und erstellen präzise Maßnahmenpläne sowie Offene-Punkte-Listen für einen reibungslosen Projektabschluss.
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Gefährdungsbeurteilung & Betrieb
Wir bewerten potenzielle Risiken rechtssicher und verfassen daraus resultierende Arbeitsanweisungen, damit Ihr Team im täglichen Betrieb optimal geschützt ist.
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Individuelle Dokumentation
Wir erarbeiten für Sie passgenaue Checklisten und Protokolle, mit denen Sie alle Prüfungen und Sicherheitsvorgaben lückenlos nachweisen.
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Qualifizierung & Seminare
Wir schulen Ihr Team praxisnah in unseren Seminaren rund um Elektromobilität, damit Ihre Mitarbeiter Ladeinfrastrukturen und Ladeleitungen sicher prüfen und rechtssicher betreiben.
Welche Ladebetriebsarten gibt es?
In der DIN EN IEC 61851-1 (VDE 0122-1) wird das Laden von Elektrofahrzeugen klassifiziert. Diese „Modes“ beschreiben die technische Verbindung zwischen Fahrzeug und Netz.
| Ladebetriebsart | Anwendung & Technik |
|---|---|
| Mode 1 | Laden an herkömmlichen 230 V Schutzkontakt-Steckdosen ohne Kommunikation. Dies ist für moderne E-Fahrzeuge aufgrund fehlender Sicherheitsmechanismen nicht empfohlen. |
| Mode 2 | Laden an Haushaltssteckdosen mit einem Ladekabel mit integrierter Kommunikations- und Sicherheitsbaugruppe (ICCB oder IC-CPD). Gilt rechtlich oft als „Notladekabel“. |
| Mode 3 | Die AC-Ladebetriebsart mit der höchsten elektrischen Sicherheit und der bestmöglichen Funktionssicherheit. Das Ladekabel kann dabei entweder eigenständig, also ortsveränderlich, oder dauerhaft mit der Ladesäule/Wallbox verbunden sein. |
| Mode 4 | Gleichstrom-Schnellladen (DC) mit sehr hoher Leistung für kurze Standzeiten.Das Ladekabel ist dabei immer fest angeschlossen. |
Warum müssen Ladeleitungen regelmäßig geprüft werden?
Ein weiterer Aspekt bei gewerbsmäßig/dienstlich genutzten Elektrofahrzeugen sind die dazugehörigen Ladeleitungen. Ladeleitungen sind ortsveränderliche Arbeitsmittel gemäß BetrSichV sowie ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel gemäß DGUV Vorschrift 3 und 4 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ und müssen daher auch wiederkehrend geprüft werden.
Ortsveränderliche Ladeleitungen für Elektrofahrzeuge gibt es zwei Bauformen:
- mit den Steckertypen Typ 1, Typ 2 (IEC 62196-2)
- mit Stecker zum Anschluss an einer üblichen Haushaltssteckdose (Schuko- oder CEE-Stecker) inkl. ICCB bzw. IC-CPD in der Ladeleitung
Was passiert technisch im Inneren einer Ladeleitung?
Bei der Ladebetriebsart 2 mit einer ICCB (englisch: In-Cable Control Box, deutsch: ladeleitungsintegrierte Funktionsbox) bzw. einer IC-CPD (englisch: In-Cable Control and Protection Device, deutsch: ladeleitungsintegrierte Steuerungs- und Schutzeinrichtung) findet eine Kommunikation zwischen dem Fahrzeug und dem Ladekabel statt, mit der die Ladebuchse am Fahrzeug verriegelt wird.
Der Ladebetrieb Mode 2 mit einer ICCB bzw. einer IC-CPD ist in der Regel nur für den Kurzzeitbetrieb geeignet, daher müsste ein ICCB/IC-CPD grundsätzlich als „Notladekabel“ bezeichnet werden, das zur Überbrückung und nicht auf Dauer verwendet werden sollte.
Weiterhin müssen auch die Vorgaben des Herstellers beachtet werden. Dieser weist in seiner Betriebsanleitung unter Umständen noch auf besondere Merkmale für den Betrieb und die Verwendung des ICCB/IC-CPD hin. Praxiserfahrungen haben gezeigt, dass diese Geräte sehr häufig nicht bestimmungsgemäß verwendet und Herstellerangaben nicht beachtet werden.
Wer darf Ladeleitungen prüfen und welche Befähigung ist nötig?
Auch für die Ladeleitungen gilt, dass die Fristen für wiederkehrende Prüfungen gemäß BetrSichV und der DGUV Vorschrift 3/4 so zu bemessen sind, dass entstehende Mängel, mit denen gerechnet muss, rechtzeitig festgestellt werden (Stichwort Gefährdungsbeurteilung zur Prüffristenermittlung).
Bei allen durchzuführenden Prüfungen ist auf die entsprechende Befähigung der prüfenden Person zu achten. Gemäß der BetrSichV § 14 Prüfung der Arbeitsmittel müssen Arbeitsmittel, die Schäden verursachenden Einflüssen ausgesetzt sind, die zu Gefährdungen der Beschäftigten führen können, vom Arbeitgeber wiederkehrend von einer zur Prüfung befähigten Person prüfen zu lassen.
Gemäß FAQ-Liste der AG „Handlungsrahmen Elektromobilität“ der DGUV können Ladeleitungen auch durch Fachkundige Personen für Hochvoltsysteme (FHV) der Stufe 2 oder höher mit speziellen Voraussetzungen geprüft werden. In diesem Fall müssen alle folgenden Voraussetzungen erfüllt sein:
Die Basis-Qualifikation
Ihr Mitarbeiter benötigt einen erfolgreichen Abschluss zur Fachkundigen Person (FHV) der Stufe 2 oder höher.
Fortbildung & Nachweis
Teilnahme an einer, mit den Herstellern der Fahrzeuge abgestimmten Fortbildung, für die Prüfung der mitgelieferten Ladeleitungen mit erfolgreichem Abschluss (durch eine Elektrofachkraft anhand einer theoretischen und praktischen Prüfung zu bestätigen)
Die passende Ausrüstung
Benutzung von Prüfgeräten, die speziell für diese komplexen Prüfaufgaben entwickelt wurden.
Konsequente Verfahrenstreue
Umsetzung einer vom Hersteller erstellten Arbeitsanweisung bzw. Verfahrensanweisung zur Prüfung der Ladeleitung
Erfahren Sie, wie Sie sicher und normgerecht gemäß der aktuellen Regelwerksanforderungen prüfen
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FAQ – Häufige Fragen zum Thema Elektromobilität
Ortsveränderliche Ladeleitungen sind Arbeitsmittel im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung. Dementsprechend müssen die nachweislich in sicherem und ordnungsgemäßen Zustand gehalten werden. Dies wird maßgeblich erreicht durch normkonform ausgeführte und rechtssicher dokumentierte Prüfungen, welche von fachlich ausreichend und nachweisbar befähigten Personen ausgeführt werden.
Bei AC‑Ladung verfügt das Fahrzeug über ein On‑Board‑Ladegerät (OBC – „On-Board-Charger“), welches den Wechselstrom aus dem versorgenden Netz in Gleichstrom für die Batterie des Fahrzeugs umwandelt.
An DC-Ladesäulen übernimmt die Säule selbst die Gleichrichtung, sodass direkt Gleichstrom in die Batterie des Fahrzeugs fließt.
Nachfolgend eine kurze Übersicht der wesentlichen Merkmale:
| AC Ladung | DC Ladung | |
|---|---|---|
| Gleichrichtung | im Fahrzeug (OBC) | in der Ladesäule |
| Typische Leistung | 3,7 bis 22 kW | 50 bis 350 kW |
| Schutztechnik | Überstromschutzorgan (LS-Schalter) und Fehlerstromschutzeinrichtung (RCD) | Hochvolt Überwachungssysteme |
| Vorteil | kostengünstig, „schonend“ | sehr schnell |
| Nachteil | langsam | teuer, hohe Anforderungen |