Hochvolt im Unternehmen: Rechtssicherheit und Qualifikation
Fahrzeuge mit Hochvoltsystemen – ob vollelektrisch oder hybrid – prägen zunehmend das Straßenbild. Damit halten sie auch verstärkt Einzug in Unternehmen und deren betriebliche Abläufe.
Moderne Hochvoltsysteme erreichen bereits Spannungen von bis zu 800 V Gleichspannung, wobei die Tendenz weiter steigt. Der Umgang mit dieser Technik stellt hohe Anforderungen an Ihre Mitarbeiter: Sowohl bei Serienfahrzeugen als auch in den Bereichen Forschung, Entwicklung und Produktion sind besondere Kenntnisse und Fähigkeiten zwingend erforderlich.
Für einen reibungslosen Betrieb müssen folgende Punkte präzise festgelegt und berücksichtigt werden:
- Die benötigten Qualifikationen der Mitarbeiter.
- Alle erforderlichen Qualifizierungsmaßnahmen.
- Individuelle betriebliche Rahmenbedingungen und Besonderheiten.
Ziel ist es, ein sicheres Arbeiten an, mit und in der Nähe von Hochvoltsystemen zu ermöglichen. MEBEDO unterstützt Sie hierbei individuell mit tiefgreifender Expertise in allen Bereichen der Hochvolt-Technologie.

Unsere Leistungen im Bereich Hochvolt
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Externe VEFK und Fachkundige Leitung
Wir übernehmen die externe Verantwortung nach VDE 1000-10 bzw. DGUV Information 209-093 und unterstützen Sie bei der Organisation sowie Umsetzung in der betrieblichen Praxis.
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Gefährdungsbeurteilungen und Dokumentation
MEBEDO erstellt rechtssichere Gefährdungsbeurteilungen, Arbeitsanweisungen sowie individuelle Checklisten und Protokolle für Ihre spezifischen Anforderungen.
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Ist-Zustandsanalysen und technische Begehungen
Durch Soll-Ist-Abgleiche, Bewertungen von Anlagen (z. B. Prüfstände) und fachliche Stellungnahmen schaffen wir Klarheit über Ihren aktuellen Sicherheitsstatus und notwendige Maßnahmen.
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Unterweisungen und Beauftragungen
Wir führen Unterweisungen für die Stufen E/S sowie 1E/1S durch und bereiten alle notwendigen schriftlichen Beauftragungen (FuP, FHV, VEFK) für Ihre Mitarbeiter vor.
Qualifikationsstufen im Hochvolt-Bereich
Die DGUV Information 209-093 definiert die Anforderungen an die Mitarbeiterqualifikation und unterscheidet dabei zwei wesentliche Bereiche:
- Forschung, Entwicklung und Produktion (Abschnitt 4): Hier liegt der Fokus oft auf neuen Technologien und Arbeiten an Prototypen („offenes Herz“).
- Arbeiten an Serienfahrzeugen (Abschnitt 5): Hier kommen in der Regel erprobte Standardkomponenten und bewährte Techniken zum Einsatz.
Obwohl die Struktur der Qualifikationsstufen in beiden Bereichen identisch ist, unterscheiden sie sich in der praktischen Ausführung.
Verantwortliche Elektrofachkraft und Fachkundige Leitung
Gemäß DGUV Information 209-093 muss eine sogenannte Fachkundige Leitung die Fach- und Führungsverantwortung für Mitarbeiter, Anlagen und Techniken im Hochvolt-Bereich übernehmen.
Sobald über die reine Arbeit an HV-Systemen hinaus zusätzliche Aufgaben anfallen, ist ein fachkundiges Leiten zwingend erforderlich. Dies umfasst beispielsweise:
| Tätigkeit / Verantwortung | Qualifikation (Rolle) | Bereich Entwicklung (E) | Bereich Serie (S) |
|---|---|---|---|
| Fach- & Führungsverantwortung (z. B. Organisation, Sicherheit, Schulung) | VEFK / Fachkundige Leitung | VEFK | VEFK |
| Arbeiten unter Spannung (z. B. Fehlersuche, Austausch von Bauteilen) | FHV (Fachkundige Person) | Stufe 3E | Stufe 3S |
| Arbeiten an spannungsfreien Systemen (z. B. Inbetriebnahme, Instandsetzung) | FHV (Fachkundige Person) | Stufe 2E | Stufe 2S |
| Allgemeine Arbeiten am Fahrzeug (z. B. Karosserie, Öl-/Radwechsel) | FuP (Fachkundig unterwiesene Person) | Stufe 1E | Stufe 1S |
| Bedienung vergleichbar mit Fahrer (Jegliche einfache Tätigkeiten) | Sensibilisierte Person | Stufe E | Stufe S |
Planung & Organisation
Projektierung, Konstruktion, sowie das Festlegen von Arbeitsverfahren
Personalführung
Auswahl geeigneter Arbeits- und Aufsichtskräfte, sowie Erfolgskontrolle
Sicherheitsmanagement
Bekanntgabe von Sicherheitsfestlegungen, sowie die Auswahl von Werkzeugen und Hilfsmitteln
Qualifizierung
Festlegen notwendiger Schulungsmaßnahmen für das Team.
Die Verbindung zur VDE 1000-10
In der industriellen Praxis wird oft von der „VEFK für den Bereich Hochvolt“ gesprochen. Interessant dabei: Die DGUV Information 209-093 erwähnt den Begriff der Verantwortlichen Elektrofachkraft (VEFK) an keiner Stelle.
Dennoch haben sich diese Begrifflichkeiten aufgrund deutlicher Überschneidungen mit der VDE 1000-10 etabliert. Der bewusste Verzicht der DGUV auf das Kürzel „VEFK“ dient primär der Abgrenzung zu den strengen normativen Qualifikationsanforderungen (wie Meister, Techniker oder Ingenieur), die im klassischen elektrotechnischen Bereich zwingend mit diesem Titel verknüpft sind.
Die wichtigsten Regelwerke im Hochvolt-Bereich
Für die Sicherheit und Qualifikation im Umgang mit Hochvoltsystemen bilden verschiedene Regelwerke den verbindlichen Rahmen. MEBEDO unterstützt Sie dabei, diese Anforderungen rechtssicher zu erfüllen:
DGUV Information 209-093: Die maßgebliche Grundlage für die Qualifizierung von Mitarbeitern bei Arbeiten an Fahrzeugen mit Hochvoltsystemen.
VDE 1000-10: Definiert die Anforderungen an Personen, die im Bereich der Elektrotechnik tätig sind – besonders relevant in Forschung, Entwicklung und Produktion. Hier steuern wir das oft komplexe Zusammenspiel zwischen der „HV-Welt“ und der klassischen „VDE-Welt“ (Anlagentechnik).
VDE 0105-100 & DGUV Regel 103-011: Diese Regelwerke sind immer dann entscheidend, wenn es um das Arbeiten unter Spannung (AuS) an elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln geht.
VDE 0104 & DGUV Information 203-034: Diese Normen müssen zwingend berücksichtigt werden, sobald elektrische Prüfanlagen errichtet oder betrieben werden.
Wollen Sie es ganz genau wissen?
In unseren Seminaren vermitteln wir Ihnen alle wichtigen rechtlichen, technischen und organisatorischen Grundlagen für eine Tätigkeit im Hochvolt-Bereich.
Aktuell als Verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK) oder Sensibilisierte Person (Stufe E/S) und zukünftig auch als Fachkundige Person (FHV) sowie Fachkundig unterwiesene Person (FuP) – bei uns finden Sie die passende Schulung.
Häufige Fragen zum Thema Hochvolt
> 60 V bis ≤ 1500 V Gleichspannung (DC)
> 30 V bis ≤ 1000 V Wechselspannung (AC)
Im Gegensatz dazu definiert die VDE 0100-410 für die klassische Elektroanlagen-Technik (Gebäude, Maschinen) den Bereich „Niederspannung“ als > 50 V bis ≤ 1000 V AC bzw. > 120 V bis ≤ 1500 V DC.
Ja. Gemäß DGUV Information 209-093 müssen Beschäftigte für das Bedienen von HV-Fahrzeugen auf den bestimmungsgemäßen Gebrauch hingewiesen und zu den Besonderheiten unterwiesen werden (Sensibilisierung).
Dies gilt für alle Tätigkeiten, deren Gefährdung mit dem Bedienen vergleichbar ist, wie zum Beispiel:
- Innen- und Außenreinigung sowie Wechseln der Scheibenwischerblätter.
- Auffüllen von Wischwasser oder Motoröl/Kühlwasser an bekannten Anschlüssen.
- Nutzen von Ladevorrichtungen (Fahrzeug/Wallbox).
- Vorbereiten von Fahrzeugen für Erprobungsfahrten oder spezielle Aufrüstverfahren.
Die Qualifizierung zur Stufe E bzw. Stufe S erfolgt durch eine Fachkundig unterwiesene Person (FuP) oder eine Fachkundige Person Hochvolt (FHV) und ist zu dokumentieren.
Sensibilisierte Personen (Stufe E/S) sind wiederkehrend zu unterweisen. Für fachkundig unterwiesene Personen (FuP – Stufe 1E/1S) gibt es keine konkrete gesetzliche Forderung zur Aufrechterhaltung. In der Praxis ist eine regelmäßige Auffrischung jedoch üblich und sinnvoll.
Für fachkundige Personen im Bereich Hochvolt (FHV – Stufe 2E/2S oder 3E/3S) schreibt die DGUV Information 209-093 vor, dass Fachkenntnisse durch regelmäßige Teilnahme an Schulungen auf dem aktuellen Stand zu halten sind.
Hinweis zur Regelmäßigkeit: Art, Dauer und Intervall der Weiterbildung müssen von der zuständigen Verantwortlichen Elektrofachkraft (VEFK) bzw. der Fachkundigen Leitung im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung festgelegt werden.
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