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VDE 0105-100 – das kommt auf die Praxis zu

| Mirko Engert | Normen & Regelwerke, Prüfen & Praxis, Rechtssichere Organisation Elektrotechnik

VDE 0105-100 Blogbeitrag | MEBEDO

Anstehende Änderungen zur VDE 0105-100

Normen ändern sich selten spektakulär – aber manchmal mit spürbaren Folgen für den Arbeitsalltag.

Genau so ein Fall zeichnet sich aktuell im Umfeld der VDE 0105-100 ab. Hintergrund sind überarbeitete europäische Vorgaben, die in den nächsten Monaten verbindlich in nationales Recht überführt werden müssen.
Für alle, die für den sicheren Betrieb elektrischer Anlagen verantwortlich sind, lohnt sich jetzt schon ein Blick auf die Richtung, in die sich die Anforderungen entwickeln.


Wer legt das eigentlich fest?

Die CENELEC ist die zuständige europäische Normungsorganisation für die Elektrotechnik. Innerhalb der CENELEC befasst sich das Technische Gremium BTTF 62-3 mit dem Betrieb von elektrischen Anlagen. Dieses Gremium definiert Anforderungen für:

  • das sichere Bedienen
  • Arbeiten an, mit oder in der Nähe von elektrischen Anlagen
    Zentrale europäische Normen in diesem Zusammenhang sind:

    • EN 50110-1 (VDE 0105-1) – Mindestanforderungen
    • EN 50110-2  (VDE 0105-2) – Nationale Abweichungen

Die EN 50110-1 stellt dabei den europaweiten Standard für den Betrieb elektrischer Anlagen dar und ist die maßgebliche Grundlage für die deutsche Umsetzung der Anforderungen mit der DIN VDE 0105-100.


Neue europäische Fassung – zeitlich versetzt in Deutschland

Im Jahr 2023 wurde die EN 50110-1 (Ausgabe 2013) durch eine überarbeitete Fassung ersetzt. Die deutsche Übernahme erschien jedoch erst im November 2024 als DIN EN 50110-1(VDE 0105-1):2024-11 „Betrieb von elektrischen Anlagen – Teil 1: Allgemeine Anforderungen“.
Dies hat bisher allerdings keine Auswirkungen auf die aktuelle tägliche Arbeit an und mit elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln! Die in Deutschland hierfür gültige DIN VDE 0105-100 (VDE 0105 100):2015-10 mit Änderung A1:2017-06 bleibt so lange gültig und verbindlich, bis das zuständige Normungskomitee DKE/K 224 auf Basis der DIN EN 50110-1 (VDE 0105 1) und der anstehenden Änderung eine neue Ausgabe der DIN VDE 0105 100 (VDE 0105-100) veröffentlicht.


Klare Frist: Nationale Normen müssen angepasst werden

CENELEC und das Technische Gremium BTTF 62-3 haben beschlossen, dass nationale Normen, die der neuen DIN EN 50110-1:2024-11 widersprechen, spätestens bis zum 29. Mai 2026 zurückgezogen werden müssen.
Für Deutschland bedeutet das konkret:
Das zuständige Gremium DKE/K 224 arbeitet an einer aktualisierten Fassung der DIN VDE 0105-100, die spätestens bis zu diesem Datum veröffentlicht sein müsste.


Welche inhaltlichen Änderungen zeichnen sich ab?

1. Von 3 Arbeitsmethoden zu 4 Arbeitsverfahren

Die bislang bekannten drei Arbeitsmethoden werden künftig in vier Arbeitsverfahren überführt:

  • Arbeiten im spannungsfreien Zustand (5 Sicherheitsregeln)
  • Arbeiten unter Spannung (AuS)
  • Arbeiten innerhalb der Annäherungszone
  • Arbeiten außerhalb der Annäherungszone

Die bisherige Kategorie „Arbeiten in der Nähe unter Spannung stehender Teile“ wird damit durch die differenzierte Betrachtung der Annäherungszone ersetzt.


2. Neubewertung der Mindestarbeitsabstände

Die Mindestarbeitsabstände werden künftig nicht mehr ausschließlich aus einer Tabelle entnommen.
Zusätzlich zu den elektrischen Abständen, die sich weiterhin nach der Spannungshöhe richten, sind künftig weitere Faktoren zu berücksichtigen:

  • ergonomische Aspekte
  • Leitfähigkeiten verwendeter Ausrüstung
  • Leitfähigkeiten von Gegenständen
  • Leitfähigkeiten von Werkzeugen

Damit wird die Betrachtung der Abstände praxisnäher, aber auch komplexer.


3. Einführung englischer Rollenabkürzungen

Für bestimmte Funktionen werden voraussichtlich englische Abkürzungen eingeführt:

  • WC – Arbeitsverantwortlicher
  • OC – Anlagenverantwortlicher
  • IM – Anlagenbetreiber
  • W – Arbeitende Person (neuer Begriff)

Diese Bezeichnungen werden künftig in der Normsystematik verwendet.


Was heißt das für die Praxis?

Auch wenn die deutsche VDE 0105-100 noch nicht in neuer Fassung vorliegt, ist die Richtung klar:

  • Arbeitsverfahren werden feiner differenziert.
    Die Einteilung nach Annäherungszonen verlangt eine genauere Bewertung der Arbeitssituation.
  • Abstandsbetrachtungen werden ganzheitlicher.
    Neben der Spannungshöhe rücken reale Arbeitsbedingungen, Ausrüstung und Werkzeuge stärker in den Fokus.
  • Rollen und Verantwortlichkeiten werden internationaler gedacht.
    Die englischen Abkürzungen zeigen die stärkere europäische Harmonisierung – auch organisatorisch.
    Für Unternehmen bedeutet das perspektivisch:
  • Überprüfung bestehender Arbeitsanweisungen
  • Anpassung von Gefährdungsbeurteilungen
  • Schulungsbedarf für verantwortliche Personen
  • mögliche Überarbeitung interner Begriffs- und Rollenmodelle

Fazit

Die anstehende Überarbeitung der DIN VDE 0105-100 ist keine rein formale Anpassung. Sie folgt einer grundlegend überarbeiteten europäischen Norm und bringt strukturelle Änderungen bei Arbeitsverfahren, Abstandsregeln und Rollenverständnis mit sich.
Auch wenn die nationale Umsetzung noch läuft, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, sich mit den kommenden Anforderungen vertraut zu machen – um später nicht unter Zeitdruck reagieren zu müssen.

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