Kontakt

+49 2602 95081-298 Kontakt Mein MEBEDO

Öffnungszeiten

Mo. – Do.: 8:00 – 16:00 Uhr
Fr.: 8:00 – 14:00 Uhr

Warum ist eine einheitliche Sprache beim Schalten notwendig?

| Michael Schmidt | MEBEDO, Sicherheit, Energie

MEBEDO | Schalthandlung

Das Schalten in Mittelspannungsanlagen erfordert ein großes Maß an Sorgfalt, Fachwissen und klarer Kommunikation. Bereits kleine Missverständnisse bei Schaltanweisungen können schwerwiegende Folgen haben. Aus diesem Grund ist eine eindeutige Schaltsprache unerlässlich. Eine eindeutige Schaltsprache stellt sicher, dass die Schaltkommandos klar formuliert, korrekt verstanden und eindeutig bestätigt werden. Dieser Blogbeitrag gibt einen kurzen Überblick über die Bedeutung der Schaltsprache und zeigt, warum sie im sicheren Betrieb von Mittelspannungsanlagen eine zentrale Rolle spielt.
In der VDE 0105-100 „Betrieb von elektrischen Anlagen“ wird das Thema Schalthandlungen im Abs. 5.2 wie folgt beschrieben:

„Schalthandlungen dienen dazu, den Schaltzustand von elektrischen Anlagen zu ändern.“

Es werden zwei Arten von Schalthandlungen unterschieden:

  • Schalthandlungen zur Änderung des elektrischen Zustands einer Anlage, zum Bedienen von Betriebsmitteln, Ein- und Ausschalten, Starten und Stillsetzen von Betriebsmitteln mit Einrichtungen, deren bestimmungsgemäßer Gebrauch gefahrlos ist;
  • Ausschalten oder Wiedereinschalten von Anlagen im Zusammenhang mit der Durchführung von Arbeiten.
    Schalthandlungen dürfen vor Ort oder durch Fernsteuerung durchgeführt werden.

Für Schalthandlungen ist eine sorgfältige Planung der Abläufe unerlässlich. Es empfiehlt sich dies in einem Schaltbrief bzw. Schaltablaufplan festzuhalten. Innerhalb des Dokumentes ist festzulegen, wer wann in welcher Reihenfolge welche Schalthandlung durchführt. Die Tätigkeiten der Schalthandlung sind wie in der folgenden Tabelle eindeutig zu beschreiben.

 

Schalthandlungen

 

Gefährlich ist Mittelspannung auch deshalb, weil Schalten nicht nur „Hebel umlegen“ ist. Man muss die Anlage sicher beurteilen können: Netzaufbau, Einspeiser, Rückspannungen, Verriegelungen, Lasttrennschalter versus Leistungsschalter, Erdung und Kurzschließung, Freischaltfolge und die fünf Sicherheitsregeln. Schon eine falsche Schaltreihenfolge kann Personen gefährden oder große Anlagenschäden verursachen. Die DIN VDE 0105 100 dient genau dazu, Tätigkeiten im Zusammenhang mit dem Betrieb elektrischer Anlagen gefahrlos durchzuführen.

Welche Begrifflichkeiten werden verwendet?

Schaltauftragsberechtigung oder Schaltanweisungsberechtigung
„Beauftragung durch den Anlagenbetreiber oder die Verantwortliche Elektrofachkraft, Schaltaufträge zu erteilen, d. h. die Anweisungen zur Ausführung von Schaltungen zu geben.

Schaltberechtigung
„Betriebsgenehmigung/Beauftragung, in einem bestimmten Teil des Netzes bzw. Anlagenteil Schaltungen durchzuführen und Arbeitsstellen einzurichten. Sie wird schriftlich erteilt und schließt die Bestätigung ein, den ordnungsgemäßen Schaltbetrieb in der betreffenden Anlage/dem betreffenden Netz im Rahmen der Schaltdienstanweisung durchführen zu können.“

Schaltgespräch
„Festgelegter Wortlaut zwischen Schaltauftragsberechtigten und Schaltberechtigten bei der Durchführung von Schaltungen oder Rückmeldung von Schaltaufträgen, Verfügungserlaubnissen und Prüfgenehmigungen.“

Bei Schalthandlungen gibt es einige Dinge zu beachten:

  • Schaltgespräche dürfen nur zwischen Schaltauftragsberechtigten und Schaltberechtigten geführt werden.
  • Schaltgespräche sollten mit einer Aufmerksamkeit erhöhenden Vorankündigung „Schaltauftrag“ eingeleitet werden.
  • Schaltaufträge und Freigaben sind zur Vermeidung von Übermittlungsfehlern vom Empfänger wörtlich zu wiederholen, die Richtigkeitsbestätigung „in Ordnung“ oder „verstanden“ ist abzuwarten.
  • Bei Schaltgesprächen sind alle Namen, Bezeichnungen und Tätigkeiten voll auszusprechen. Abkürzungen sollten nur für schriftliche Aufzeichnungen verwendet werden. Es muss also z. B. richtig lauten: „Erdungs- und Kurzschließvorrichtung einbauen“ und nicht „E und K einbauen“.

Das Schaltgespräch sollte nach dem 3 Schritte Prinzip erfolgen.

 

  1. Der Schaltbefehl
    „Leistungsschalter Feld K2 ausschalten“
  2. Wiederholung (wortgleich)
    „Verstanden Leistungsschalter Feld K2 ausschalten“
  3. Rückmeldung nach Ausführung
    „Leistungsschalter Feld K2 ist ausgeschaltet“

MEBEDO | Schalthandlungen 1

Merke:
Erst klar sprechen, dann schalten.
Ein Kommando – eine Handlung.

Fazit:

Eine klare und unmissverständliche Schaltsprache ist unverzichtbar. Sie schützt sowohl Menschen als auch Anlagentechnik, indem Missverständnisse bei Schalthandlungen innerhalb der Kommunikation ausgeschlossen werden.

Autor: Michael Schmidt, Projektingenieur Elektrotechnik bei MEBEDO Consulting GmbH

Zurück

Weitere Seminare zum Thema

Schaltbefähigung in Mittelspannungsanlagen (1-36 kV)

Schaltbefähigung zur Schaltberechtigung in Mittelspannungsanlagen von 1 bis 36 kV - Spezialausbildung. (Webcode: E12)

Seminar ansehen

Mittelspannungs-Schaltbefähigung - Jahresunterweisung

Jahresunterweisung zur Durchführung von sicheren Schalthandlungen bis 36 kV. Vermittlung der nötigen Kenntnisse und viele praktische Übungen. ((Webcode: E13)

Seminar ansehen

Spezialausbildung zum Arbeiten unter Spannung (AuS)

Fachliche Kenntnisse und praktische Fertigkeiten für das Arbeiten unter Spannung (AuS) in den Spannungsebenen bis 1.000 V AC/1.500 V DC (Webcode: E10)

Seminar ansehen

Arbeiten unter Spannung (AuS) - Jahresunterweisung

Jahresunterweisung von Schutzmaßnahmen zur Durchführung von Arbeiten unter Spannung (AuS) in den Spannungsebenen bis 1.000 V AC/1.500 V DC. (Webcode: E11)

Seminar ansehen