Kontakt

+49 2602 95081-298 Kontakt Mein MEBEDO

Öffnungszeiten

Mo. – Do.: 8:00 – 16:00 Uhr
Fr.: 8:00 – 14:00 Uhr

Autor: Bianca Matern

Statistik der Stromunfälle: Warum Stromunfälle weiterhin passieren und was die Zahlen wirklich zeigen

Die BG ETEM hat ihre Statistik der Stromunfälle aktualisiert. Wir betrachten deshalb die neuen Werte und mögliche neue Erkenntnisse.
Elektrischer Strom ist aus dem Alltag und der Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken. Auch wenn viele Berufe das sichere Arbeiten in der Elektrotechnik zum Ziel haben, bleibt ein Risiko. Die aktualisierte Unfallstatistik der BG ETEM liefert einen präzisen Überblick darüber, wo es in der Praxis zu elektrischen Gefährdungen kommt, welche Tätigkeiten besonders unfallträchtig sind und wie sich die Gefährdungslage im Zeitverlauf entwickelt hat.

Die aktuelle Unfallstatistik zeigt ein differenziertes Bild. Positiv zu erwähnen ist, dass die Zahl der tödlichen Unfälle mit Strom im Jahr 2025 erneut zurückgegangen ist. Das ist sehr erfreulich, aber Stromunfälle im Niederspannungsbereich sind nach wie vor ein wichtiges Thema und sie betreffen überwiegend ganz alltägliche Arbeiten.

Im Jahr 2025 wurden der BG ETEM insgesamt 5.112 Stromunfälle gemeldet. Damit ist die Zahl gegenüber 4.796 gemeldeten Stromunfällen im Vorjahr gestiegen. Gleichzeitig sank die Zahl der meldepflichtigen Stromunfälle von 596 auf 560. Die Zahl der tödlichen Stromunfälle ging von zwei auf einen Fall zurück.

Wie ein roter Faden zieht sich eine der Grundlagen für das Arbeiten im elektrotechnischen Bereich als Unfallursache durch die Auswertungen.

Fast jeder Unfall hätte vermieden werden können, wenn die 5 Sicherheitsregeln konsequent beachtet worden wären.

 

Wechselstrom: Die Hauptquelle für Stromunfälle

Ein Blick auf die Verteilung zeigt es sofort: Bei einem Unfall ist Wechselstrom mit 90,2 % aller Fälle die dominierende Art des Stroms.
Gleichstrom spielt zwar durch PV-Anlagen, Batterietechnik und Schweißstromquellen eine wichtige Rolle, liegt aber mit 9,3 % noch weit darunter.

 

 

Das hat weniger mit der Gefährlichkeit selbst zu tun, sondern mit dem Alltag der Elektrotechnik:
Die meisten Arbeiten finden schlicht in klassischen AC-Anlagen statt – in Gebäuden, Installationen oder Maschinen.

Wer ist in Stromunfälle verwickelt?

Die aktuelle Statistik der BG ETEM zeigt ein bemerkenswertes Bild: 49,3 % aller Stromunfälle im Niederspannungsbereich betreffen Elektrofachkräfte – also Personen, die eigentlich über eine qualifizierte Ausbildung und das nötige Know-how verfügen. Das wirft wichtige Fragen auf: Wie kommt es dazu, dass gerade ausgebildete Profis so häufig betroffen sind? Und welche Rolle spielt die Berufserfahrung?

Ein Blick auf die Verteilung nach Berufserfahrung

Die aktualisierten Zahlen zeigen, dass Stromunfälle nicht nur Berufsanfänger betreffen. Im Gegenteil – das Risiko verteilt sich über alle Erfahrungsstufen:

Bis 5 Jahre: 29,5 %
In dieser Phase steigt die Routine – aber auch das Risiko, Abläufe zu unterschätzen oder Sicherheitsregeln weniger strikt anzuwenden.
Über 5 bis 10 Jahre: 32,1 %
Diese Gruppe stellt den größten Anteil. Erfahrungswerte sind zwar vorhanden, gleichzeitig schleicht sich bei vielen eine gewisse Selbstsicherheit ein.
Über 10 bis 20 Jahre: 21,9 %
Auch gestandene Profis sind weiterhin einem relevanten Risiko ausgesetzt. Komplexere Aufgaben und Führungsverantwortung erhöhen häufig die Belastung.
Über 20 Jahre: 16,5 %
Langjährige Mitarbeitende weisen zwar große Erfahrung auf, sind jedoch oft in gewachsenen, teilweise überholten Arbeitsstrukturen unterwegs.

Die Auswertung macht deutlich: Routine kann trügen. Je erfahrener eine Elektrofachkraft ist, desto mehr kann sie sich auf Gewohnheiten verlassen und genau das kann gefährlich werden. Sicherheitsunterweisungen und Kenntnisse aktueller Normen müssen daher kontinuierlich aufgefrischt werden.

Zudem zeigt sich, wie wichtig eine Unternehmenskultur ist, die Sicherheit nicht als Pflichtübung, sondern als festen Bestandteil der täglichen Arbeit versteht.

Denn Stromunfälle sind kein Zeichen mangelnder Qualifikation, sondern sie sind ein Hinweis darauf, dass Sicherheit ein fortlaufender Prozess ist. Ob Einsteiger oder alter Hase: Das Risiko bleibt bestehen, wenn man es nicht bewusst reduziert. Regelmäßige Schulungen, klare Kommunikationswege und eine gelebte Sicherheitskultur sind daher entscheidend, um Stromunfälle nachhaltig zu verringern.

Auffrischung fällig?

Unsere Jahresunterweisungen vermitteln aktuelles Wissen zu den neuesten Vorschriften, Sicherheitsstandards und Technologien. Dabei bieten wir nicht nur Schulungen für technische Fachkräfte, sondern unterstützen auch Unternehmen und Organisationen bei der Planung und Organisation dieser wichtigen Weiterbildungsmaßnahmen.
Als offene Seminare, Inhouse oder Online.

Wo passieren die Unfälle – und warum genau dort?

Die nachstehende Statistik macht das Bild noch schärfer: 45 % der ausgewerteten Stromunfälle entstehen im Bereich der Verteilung. Damit ist dieser Bereich mit weitem Abstand Spitzenreiter.


Und das überrascht kaum. In Verteilungen kommen viele Risikofaktoren zusammen:

  • enge Platzverhältnisse
  • schwer zugängliche Bauteile
  • parallele aktive Leiter
  • vielfältige Einspeise- und Rückspeisemöglichkeiten

Genau diese Umgebungen verlangen höchste Konzentration und ein absolut sauberes Befolgen der Sicherheitsregeln.

Weitere Bereiche sind deutlich seltener betroffen, etwa Verbraucher allgemein mit 18 % oder Messen/Prüfen/Regeln mit 9 %.

Welche Betriebsmittel besonders auffallen

Innerhalb der beiden Stromarten lassen sich zudem typische Muster erkennen:

Bei Wechselstrom:

  • feste Installationen
  • Niederspannungsverteilungen
  • Leuchten
  • elektrische Ausrüstung von Maschinen

Diese Betriebsmittel bilden den Kern klassischer Niederspannungsanlagen – und damit den Schwerpunkt des Unfallgeschehens.

Bei Gleichstrom:

  • PV-Anlagen
  • Schweißstromquellen
  • Akkumulatoren und Batterien
  • Prüfgeräte

Hier zeigt sich insbesondere der Einfluss der Energiewende: PV-Anlagen stehen weiterhin ganz oben.


Und wieder stehen im Zentrum: die 5 Sicherheitsregeln.

Die Daten deuten auf ein klares Muster hin: Nicht die Technik allein verursacht die Unfälle – sondern vor allem Abweichungen im Arbeitsverhalten.

Besonders häufig betroffen sind Regel 1, 3 und 5:

Regel 1 – Freischalten
Auf das fehlende oder unzureichende Freischalten entfallen 34,3 % der erfassten Verstöße. Das wird vor allem bei PV-Anlagen und Batterien kritisch, weil unerwartete Rückspeisungen auftreten können.
Regel 3 – Spannungsfreiheit feststellen
Mit 45,9 % ist dies der häufigste erfasste Verstoß: fehlende Messung, falsches Messgerät oder eine unvollständige Prüfsequenz.
Regel 5 – Abdecken/Abschranken benachbarter Teile
Auf diesen Verstoß entfallen 14 %. Er spielt vor allem im engen Innenleben von Verteilungen und Schaltschränken eine große Rolle und steht häufig in Verbindung mit Lichtbogenunfällen.

Fazit: Die Zahlen sprechen eine klare Sprache

  • Stromunfälle entstehen weiterhin hauptsächlich an alltäglichen Anlagenkomponenten.
  • Verteilungen sind mit 45% weiterhin der eindeutige Brennpunkt des Unfallgeschehens.
  • Wechselstrom dominiert das Unfallgeschehen mit 90,2 % weiterhin deutlich.
  • Elektrofachkräfte bilden mit 49,3 % nach wie vor die größte Betroffenengruppe.
  • Die meisten erfassten Verstöße betreffen das Feststellen der Spannungsfreiheit und das Freischalten.
  • Die Zahl der meldepflichtigen und tödlichen Stromunfälle ist 2025 gesunken.
  • Gleichzeitig ist die Gesamtzahl der gemeldeten Stromunfälle auf 5.112 gestiegen.
  • Und fast jeder Unfall ließe sich verhindern, wenn die 5 Sicherheitsregeln vollständig und ohne Ausnahme angewendet würden.

Damit wird klar:

Sicherheit beginnt nicht bei der Anlage sondern beim Menschen, der an ihr arbeitet. Das regelmäßige Auffrischen der Fachkunde ist somit ein wichtiger Baustein zur Erhöhung der Sicherheit beim Arbeiten im elektrotechnischen Bereich.

Quelle: Statistik der Stromunfälle — bgetem.de – BG ETEM

MEBEDO | Seminar

Welche Seminarform passt zu Ihrem Bedarf?

Montagmorgen, 6.45 Uhr. In der Werkstatt riecht es nach Kaffee und verbrannter Wicklung eines Elektromotors. Drei Monteure stehen bereits am Transporter, während Geschäftsführer Thomas Müller mit seiner Meisterin Anna im…

Beitrag lesen