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Die aktualisierten Anwendungsregeln VDE-AR-N 4100 und VDE-AR-N 4105

| Jan Frischholz | Normen & Regelwerke, Rechtssichere Organisation Elektrotechnik

Neue_ AR-N 4100 und 4105 | MEBEDO

Die VDE-AR-N 4100 (TAR Niederspannung) und VDE-AR-N 4105 (TAR Erzeugungsanlagen) bilden zusammen seit einigen Jahren das zentrale technische Regelwerk für den Anschluss von Kunden- und Erzeugungsanlagen an das öffentliche Niederspannungsnetz eines Netzbetreibers. Da der VDE ein Hauptakteur bei der Umsetzung der vom Bundeswirtschaftsministerium veröffentlichten Roadmap Systemstabilität¹ ist, müssen auch Normen- und Regelwerke regelmäßig nachjustiert und an den Stand der Technik angepasst werden.

Neue_ AR-N 4100 und 4105 | MEBEDO

Die bislang gültigen Regeln wurden durch neue ersetzt. Die VDE AR-N 4100 Anschlussregel: 2026-04, die den Anschluss und Betrieb von Kundenanlagen am Niederspannungsnetz (TAR NS) regelt und die VDE-AR-N 4105 Anwendungsregel:2026-03 , die Anschluss und Betrieb von Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz beschreibt (TAR EZA NS) wurden kurz nacheinander in einer komplett überarbeiteten Form veröffentlicht.

Neue_ AR-N 4100 | MEBEDO
Die neue VDE AR-N 4100 Anschlussregel: 2026-04

 

Mit der novellierten Fassung hat der VDE u. a. auf die Entwicklungen im Bereich der Sektorenkopplung (Strom, Wärme, Verkehr) auch in privaten Wohngebäuden und im Kleingewerbe reagiert.

Während die Vorgängerversion aus dem Jahr 2019 beispielsweise den Grundstein für eine intelligente Lösung digitale Stromzähler sicher mit Netzbetreibern und Energieversorgern zu vernetzen – dem Smart-Meter-Gateway – legte, fokussiert sich die aktualisierte Fassung primär auf die physikalische Belastbarkeit und eine erweiterte Flexibilität durch zusätzliche Einbauräume im Zählerschrank.
So darf oberhalb des anlagenseitigen Anschlussraums (AAR) jetzt beispielsweise ein dediziertes Feld für Kommunikationsmodule, Steuergeräte oder Energiemanagementsysteme (EMS) eingeplant werden.

Ebenso hat man eine Anpassung an §14a EnWG (Steuerbare Verbrauchseinrichtungen) der Bundesnetzagentur (BK6-22-300) vorgenommen, um die technischen Vorgaben für die netzdienliche Steuerung von Großverbrauchern (wie Wärmepumpen und Wallboxen) zu regeln.

Die wichtigsten inhaltlichen Änderungen der AR-N 4100 von April 2026 im Überblick:

  • Netzanschlussportal, neue Darstellung und Ergänzung anmelde- und zustimmungspflichtiger Vorgänge, steuerbare Verbrauchseinrichtung
  • Einarbeitung eines Hinweises für die Errichtung von mehreren Netzanschlüssen am Niederspannungsnetz in einem Gebäude und auf einem Grundstück
  • Überführung des Hinweises Erfassung von Messwerten im Vorzählerbereich
  • Neue Anordnungsmöglichkeit für ein weiteres Verteilerfeld im Zählerplatz
  • Integration des Hinweises „Zählerplätze mit halbindirekten Messungen bis 1 000 A in der Niederspannung (Wandleranlagen)“
  • Anpassungen bezüglich der Festlegung der BNetzA zur Durchführung der Steuerung nach § 14a EnWG (BK6-22-300)
  • Anforderungen an den EnFluRi wurden an VDE-AR-N 4105 übergeben

 

Neue_ AR-N 4105 | MEBEDO

Die neue VDE AR-N 4105 Anschlussregel: 2026-03

 

Auch bei der Anwendungsregel für Erzeugungsanlagen wie PV-Anlagen oder Batteriespeicher hat der VDE wichtige Änderungen vorgenommen. Da die Energiewelt sich kontinuierlich verändert, erzeugen heutzutage auch immer mehr Privathaushalte ihren eigenen Strom und speichern diesen. Was für den elektrischen Laien insbesondere ein Beitrag zur Energiewende und auch für den eigenen Geldbeutel ist, stellt Netzbetreiber vor große Herausforderungen. Daher lag der Fokus u. a. auf „Kleinsterzeugungsanlagen“. Die Neufassung der Anwendungsregel passt dazu erneut wichtige Regelungen an.

Klares Ziel war es, bürokratische Hürden abzubauen und die Integration moderner Technologien wie Speicher und bidirektionales Laden zu standardisieren.
Auch „mittlere“ Photovoltaikanlagen bis 500 kW können nun nach der einfacheren VDE-AR-N 4105 zertifiziert und angeschlossen werden. Bisher fielen zahlreiche mittlere PV-Anlagen unter die deutlich strengere Mittelspannungsrichtlinie (VDE-AR-N 4110). Auch dann, wenn sie am Niederspannungsnetz angeschlossen sind.

Zudem wurden Netzstützung, Nulleinspeisung und die Formulare für den Netzanschluss angepasst.

Die wichtigsten inhaltlichen Änderungen der AR-N 4105 von März 2026 im Überblick:

  • Ausgestaltung des Anschluss- und Nachweisprozesses für Netzanschlüsse bis zu einer kumulierten Leistung ∑PAmax ≥ 135 kW ≤ 500 kW oder einer Einspeiseleistung PAV, E ≤ 270 kW am Netzanschlusspunkt die nach dieser Anwendungsregel in einer höheren Spannungsebene angeschlossen werden
  • Vereinfachung der technischen Mindestanforderungen für Erzeugungsanlagen und Speicher bis 800 VA
  • Weiterentwicklung PAV,E-Überwachung durch Einführung eines PAV, E-Schutzes und Erweiterung bis zur Nulleinspeisung
  • Q(U) als Standardverfahren für die Blindleistung (Auslieferungszustand)
  • Erweiterte Anforderungen an systemstützende Eigenschaften der Erzeugungseinheiten (RoCoF, P(f) und Einstellwerte des NA-Schutzes)
  • Neue NA-Schutz-Varianten²
  • Anforderungen und Nachweisvorgaben für rückspeisefähige Ladeeinrichtungen
  • Referenzierung auf den FNN ³ Hinweis zum Einzelnachweisverfahren
  • Überarbeitung der Formulare für den Anschlussprozess und Reduzierung des erforderlichen Datenumfangs
  • Einarbeitung der FAQ (z. B. NA-Schutz-Kuppelschalter-Konfiguration)
  • Aktualisierte Beispiele für Zählerplatzkonfigurationen
  • Aufnahme eines Anlagenzertifikates ab einer kumulierten Leistung ∑PAmax ≥ 135 kW > 500 kW oder einer Einspeiseleistung PAV, E > 270 kW am Netzanschlusspunkt

Fußnoten:

¹ Roadmap Systemstabilität soll bis Ende 2035 Maßnahmen einleiten und umsetzen, um unser Stromnetz bei angepeilten 100% Erneuerbaren Energien stabil zu halten.

² Netz- und Anlagenschutz ist eine notwendige Sicherheitseinrichtung, die Erzeugungsanlagen (PV, Speicher) bei Netzstörungen vom Niederspannungsnetz trennt.

³ Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE

Autor: Jan Frischholz, Fachverantwortlicher Aus- und Weiterbildung der MEBEDO Akademie GmbH

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