Neuerungen bei der elektrischen Ausrüstung von Maschinen
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Hauke Abbas
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Maschinenprüfung,
Maschinensicherheit,
Normen & Regelwerke
Die DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1) liegt seit Juni 2026 in einer neuen Version vor und stellt die deutsche Umsetzung einer Änderung der europäischen Norm (EN 60204-1:2018 + A1:2025) dar.
Da in dieser Norm die zentralen Anforderungen an die elektrische Ausrüstung von Maschinen zu finden sind, ist es für alle Elektrofachkräfte wichtig sich mit den Änderungen auseinanderzusetzen.
Die wichtigsten inhaltlichen Änderungen im Überblick:
- Klarstellung im Bereich des Potentialausgleichs
- Konkretisierung der Anforderungen an die elektromagnetische Verträglichkeit
Anforderungen an den Potentialausgleich
Eine der Änderungen betrifft den Potentialausgleich, hier wurden Formulierungen angepasst, um klarzustellen, dass nicht grundsätzlich alle leitfähigen Teile an einer Maschine in den Potentialausgleich eingebunden werden müssen.
Bei der Errichtung von Maschinen ist den beteiligten Elektrofachkräften teilweise nicht klar aus welchem Grund ein Potentialausgleich an einem Bauteil erforderlich ist oder entfallen kann. In der Folge werden bei der praktischen Umsetzung mehr leitfähige Teile in den Potentialausgleich eingebunden, als normativ gefordert ist.
Selbstverständlich hat dies erstmal keine negativen Auswirkungen auf die Sicherheit der Anlage, kann aber unnötige Kosten erzeugen. Schon die DKE hat 2023 in der Normenauslegung „Einbeziehung von Körpern und leitfähigen Teilen in den Potentialausgleich“ hierzu klar Stellung bezogen.
Grundsätzlich kann der Potentialausgleich verschiedene Aufgaben übernehmen, z. B.:
- Schutz durch automatische Abschaltung (Schutzklasse I)
- Anbindung von fremden leitfähigen Teilen
- Gewährleistung der elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV)
- Ableiten von Blitzströmen
- Reduzierung von elektrostatischer Aufladung
- Verhinderung von Zündquellen innerhalb explosionsfähiger Atmosphäre
- Herstellung eines gemeinsamen Bezugspotentials
Hier die Übersicht zu behalten fällt manchmal schwer.
Im allgemeinen Maschinenbau sind die beiden wichtigsten Potentialausgleichssysteme der Schutz- und der Funktionspotentialausgleich. Während der Schutzpotentialausgleich den Schutz gegen elektrischen Schlag gewährleistet, dient der Funktionspotentialausgleich hauptsächlich der elektromagnetischen Verträglichkeit.
Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) bei Maschinen
Dass eine Maschine sich elektromagnetisch verträglich verhält, also keine anderen Geräte stört und selbst nicht gestört wird, ist in verschieden Regelwerken gefordert.
Neben der normativen Anforderung in der EN 60204-1 (VDE 0113-1), Kap. 4.4.2 gibt es auch eine gesetzliche Pflicht. So fordert die EMV-Richtlinie (2014/30/EU), dass eine gewisse Störaussendung nicht überschritten werden darf, sowie eine ausreichend Störfestigkeit gegeben sein muss. Da Maschinen mit elektrotechnischen Komponenten in den Anwendungsbereich der EMV-Richtlinie fallen, muss der Errichter sich zwingend mit diesem Thema auseinandersetzen.
Eine Hilfestellung für den Maschinenbau soll nun eine Ergänzung im (informativen) Anhang H der DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1):2026-06 geben. Dort ist folgender Hinweis zu finden.
In einigen Anwendungen können Anforderungen an Störfestigkeits- und/oder Störausstrahlung der elektrischen Ausrüstung erfüllt werden, wenn die folgenden Bedingungen erfüllt sind:
– die eingebauten Geräte und Komponenten entsprechen den EMV-Anforderungen für die vorgesehene EMV-Umgebung, festgelegt in der relevanten Produktnorm (oder Fachgrundnorm, wenn keine Produktnorm existiert),
und;
– die elektrische Installation und Verdrahtung ist in Übereinstimmung mit den Herstellerangaben der Geräte und Komponenten unter Beachtung der gegenseitigen Beeinflussung (Verkabelung, Schirmung, Erdung usw.) oder entsprechend dieses informativen Anhang H ausgeführt, wenn solche Herstellerangaben nicht verfügbar sind.
Auch wenn eine Harmonisierung der EN 60204-1 (VDE 0113-1) unter der EMV-Richtlinie nicht wahrscheinlich ist, wird hier das Vorgehen, welches in der Praxis häufig zu finden ist, beschrieben. Gerade bei Serienmaschinen sind EMV-Prüfungen aber durchaus sinnvoll und auch wirtschaftlich darstellbar. Die EMV-Prüfungen werden in der Normenreihe EN 61000-x-x beschrieben.
Fazit
Neben den beschriebenen Anpassungen gab es lediglich redaktionelle Änderungen. So wurden normative Verweise aktualisiert und Maßnahmen zur Verbesserung der Lesbarkeit durchgeführt. Alles in allem sind die Auswirkungen auf die praktische Umsetzung der Norm überschaubar. Zwei wichtige Punkte, Potentialausgleich und elektromagnetische Verträglichkeit, wurden aber nochmal in den Vordergrund gerückt.
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