Bewertung der Mängel
Nun wieder zurück in Deutschland kommt das schwierigste auf die Prüfer*innen zu: die Bewertung der Ergebnisse, zusammen mit Empfehlungen, wie weiter vorgegangen werden soll.
Eigentlich war die Ausgangsfrage ganz einfach: Kann jemand an einem elektrischen Schlag sterben, und kann das Krankenhaus wegen eines Fehlers in der elektrischen Anlage abbrennen? Das ist nur grundlegende Physik, und kann ganz losgelöst von irgendwelchen Normen oder Vorschriften betrachtet werden.
Der Teufel steckt allerdings im Detail. Es war klar, dass keine deutschen VDE-Vorgaben erfüllt werden können. Aber wie weit soll die Sicherheit denn gehen? Reicht es, einen RCD als Personenschutz einzusetzen, um die Abschaltbedingungen über den RCD zu erfüllen? Schutz durch automatische Abschaltung, also eine rechtzeitige Abschaltung bei einem Fehler gegen PE funktioniert nur bei angeschlossenem PE einwandfrei – was in vielen Stromkreisen gar nicht der Fall ist. Und selbst wenn ein PE vorhanden ist in der Anlage, sind die Fehlerschleifen oftmals zu schlecht, um eine Auslösung innerhalb von 0,4 Sekunden in den Endstromkreisen zu gewährleisten. Allerdings ist es auch in Deutschland erlaubt, den RCD zur Sicherstellung der Abschaltzeit innerhalt von 0,4 Sekunden zu benutzen. Wenn es aber so deutlich gezeigt wird, wie schnell RCDs unter schlechten Bedingungen (Korrosion, Staubbelastung, nicht gedrückte Test-Tasten) versagen können, fragt man sich, ob man sich tatsächlich auf den RCD als einzigen Garanten für den Schutz vor einer tödlichen Körperdurchströmung verlassen möchte. Oder ob die Fehlerschleife über den PE nicht besser entsprechend niederohmig sein sollte, um eine sichere und vor allem schnelle Auslösung zu garantieren?
Fazit
Abgesehen von diesen Betrachtungen müssen vorgeschlagene Lösungsmöglichkeiten vor Ort auch umsetzbar sein. Am besten mit Menschen vor Ort. Denn es ist immer sinnvoller, Material und Menschen aus dem Land dort zu verwenden, Menschen vor Ort als Hilfe zu haben um die Anlage sicher am Laufen zu halten.
Der Verein kann nicht jedes Mal eine Person aus Deutschland in den Senegal fliegen lassen, um etwas nach- oder umzurüsten. Leider ist es extrem schwierig Menschen vor Ort zu engagieren, die Zeit und vor allem auch das Fachwissen haben, um die erforderlichen Arbeiten durchzuführen.
Im Moment wird versucht, mit einem anderen Projekt dort vor Ort zusammen zu arbeiten, in dem junge Menschen zu Mechanikern und Elektrikern ausgebildet werden. So könnte eine wirkliche Win-Win Situation entstehen: Eine Anlage, die im Rahmen der Ausbildung als Arbeitsauftrag ertüchtigt werden kann, und für das Krankenhaus fachliche Hilfe bei der Umrüstung. Wir wünschen dieser Kooperation viel Erfolg. Wir behalten sie im Blick.